Schahbesuch 1967

Ein Ereignis aus der Charlottenburger Stadtgeschichte jährt sich zum 50. Mal: Der Schah von Persien besuchte in Berlin eine Aufführung der „Zauberflöte“ in der Deutschen Oper, während draußen Studenten gegen das Schah-Regime demonstrierten. Bei einem Polizeieinsatz wurde der Student Benno Ohnesorg erschossen. Für das Museum Charlottenburg-Wilmersdorf war das ein Grund, den Historiker Eckard Michels einzuladen, um über seine Publikation Schahbesuch 1967 mit dem Publikum zu diskutieren.

Demonstranten vor der Deutschen Oper 1967

Demonstranten vor der Deutschen Oper, 1967, Foto: Ludwig Binder, Archiv Haus der Geschichte der BRD

Gibt es neue Erkenntnisse zu den damaligen Vorfällen? Also, außer Kurras‘ IM-Tätigkeit?  In der Villa Oppenheim interessierten sich mindestens 50 Besucher dafür. Eckard Michels argumentiert geopolitisch: Europa war geteilt und Westdeutschland war mit den USA und damit der Nato verbunden. Der „Kalte Krieg“ mit der Sowjetunion ließ „den Westen“ nach Bündnispartnern weltweit suchen, und Iran war ein Land unter dem Einfluss der USA. Speziell in Deutschland fürchtete man, dass der Schah diplomatische Beziehungen zur DDR aufnehmen könnte. Man bemühte sich, dem Schah und seiner von der Regenbogenpresse bewunderten Frau Farah Diba ein möglichst glamouröses und eindrucksvolles Programm zu bieten. Studentenproteste durften da nicht stören.

Aus Polizeidokumenten ließ sich entnehmen, dass die Berliner Polizei vom iranischen  Geheimdienst SAVAK über Demonstrationspläne oppositioneller iranischer Studenten informiert war. Auch wusste man vorher, dass Busse mit Schahgetreuen anreisen würden – die sogenannten „Jubelperser“-, um sich unter die Studenten zu mischen. Die Berliner Polizei war damit einverstanden und hat später nicht eingegriffen, als diese mit Latten auf die protestierenden Studenten einschlugen. Man konnte generell zu der Einschätzung kommen, dass „die Staatsmacht“ in Westberlin die empörte Stimmung innerhalb der Studentengeneration unterschätzt hat und über keine differenzierten Strategien im Umgang damit verfügte.

Der Verein Berliner Geschichtswerkstatt beteiligte sich an der anschließenden Diskussion und kündigte schon an, dass zum Jahrestag am 2. Juni eine Aktion dazu geplant ist. Wir informieren. Das obere Bild zum Artikel wurde gefunden in einem „Coding-da-Vinci-Projekt“ über Bilder der Revolte mit historischen Aufnahmen des Fotografen Ludwig Binder.

 

 

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